Nein, ich habe nicht ein Jahr auf mein Handy verzichtet.
Nein, ich war ebenso wenig eine geschlagene Woche in Schweigen gehüllt.
Nein, auch vom Meditieren wird dieser Artikel nicht handeln.

Viel besser! Und dazu lassen Sie sich bitte auf ein interessantes Gedanken-Experiment ein…

Stellen Sie sich für einen Moment vor, dass Sie einen einwöchigen Traumurlaub in die Karibik gewonnen haben. Sie können sogar eine zweite Person mitnehmen und sich mit dieser 7 Tage lang auf traumhaften Stränden in der Sonne aalen, im lauwarmen Wasser Ihre Runden drehen, an den Korallenriffen entlang tauchen und in bunten und von zahllosen Tieren beheimateten Regenwälder umherstreunen. Ihre Flüge sind bezahlt, für Essen wird jederzeit gesorgt, die Unterkunft ist mehr als nur luxuriös und ebenfalls die Getränke gehen auf Kosten des Hauses.

Und dafür müssen Sie noch nicht einmal ein Plastikbändchen um den Arm tragen! ;-)

Herrrrrrlich! Sie würden den Trip doch auch gerne wahrnehmen, oder?

Jetzt kommt das Aber. Es gibt nämlich eine Bedingung: Sie dürfen niemals mit einer Person über diesen Urlaub sprechen.
Nicht einmal mit ihrer Begleitung.

Würden Sie den Trip immer noch gerne unternehmen wollen? Hat Ihnen diese lustige Bedingung etwa den Spaß verdorben?

Amit Kumar und Professor Tom Gilovich wollten mit ihrer Studie genau das herausfinden: Wann genießen wir unsere Einkäufe am meisten? (Kumar und Gilovich, 2015)

Schon in vielen vergangenen Studien fanden Kumar und Gilovich mit verschiedensten Methoden und Studiensettings zum Thema heraus, dass der Kauf von Erfahrungen (der Trip in die Karibik, das Konzert Ihres Lieblingskünstlers) gegenüber materiellen Käufen (der neue Flatscreen, die neue Rolex) glücklicher machen.

Mit dieser neuen Studie wollten Sie herausfinden, woran es liegen könnte, dass dem so ist.

Einer der Gründe ist, dass wir Erfahrungen leichter durchleben können als materielle Güter. Es fällt uns leichter, uns an das wunderbare Konzert zu erinnern, das wir mit Freunden besucht haben als uns jedes Mal vor Augen zu rufen, wie sich jedes Tragen unserer teuren Uhr angefühlt hat.

Weiterhin können wir die Erinnerung an die Erlebnisse weitaus leichter mit anderen teilen als unsere neue Uhr.

Beide Gründe haben eines gemeinsam: Es liegt das Geschichtenerzählen (Storytelling) zugrunde. Wir mögen es, über Erfahrungen zu berichten und die Sprache ist jenes Werkzeug, das es uns ermöglicht, in den schillerndsten Farben von unserem Urlaub, den erlebten Abenteuern und witzigen Begegnungen zu berichten.

Wie genau wir über unsere Erlebnisse und Erfahrungen berichten, welche Vorlieben wir dabei haben und welche Effekte auch das bereits weiter oben genannte Verbot des Nicht-Redens hatte, untersuchten Kumar und Gilovich in insgesamt acht Studien.

Sie fanden heraus, dass insgesamt 80% der Versuchsteilnehmer lieber über Erfahrungskäufe sprachen als über materielle Käufe. Sie taten das auch öfter. Verbot man den Teilnehmern das Sprechen über ihre Erfahrungen, verminderte das den Spaß an den Käufen. Verbot man den Teilnehmern das Sprechen über ihre materiellen Käufe, passierte nichts, das ihre Freude am Materiellen einschränkte.

Die beiden Forscher schlussfolgern daraus, dass das Reden über Taten den Spaß an diesen noch erhöhte. Und das gilt sowohl für zukünftige als auch bereits vergangene Erlebnisse.

Ein weiterer spannender Punkt, der durch die Analyse der Sprache und ihrer Nutzung beim Berichten zutage trat, war folgender: Wenn wir unseren Urlaub beschreiben, tendieren wir dazu, von unserem Spaß zu erzählen, anstatt über den Grund desselben. Wir würden z.B. eher „Ich habe das Abendessen in der Strandbar so genossen!“ sagen, als „Weil die Flammen im Sand so schön flackerten, ich das Gericht noch nicht kannte und die Qualität des Essens einfach nur exquisit war, habe ich das Abendessen in der Strandbar so genossen.“

Mit materiellen Käufen verhält es sich genau andersherum: Wir würden eher über die Features und das Preis-Leistungsverhältnis des Flatscreens sprechen, als nur zu erzählen, wie sehr wir das Filmegucken auf diesem Riesengerät genössen. Wir erleben das materielle Gut weniger, sondern evaluieren dessen Qualität.

Was können wir daraus lernen?

Unternehmen Sie lieber einen Trip oder generieren Sie sich mit Ihrem Geld eine andere Art von Erfahrung (Sie können natürlich auch mit Ihren materiellen Gütern Erfahrungen generieren – nutzen Sie den Flatscreen z.B. doch mal für ein Public Viewing mit Ihren Nachbarn im Park von nebenan). Berichten Sie die Geschichte darüber (sprechen Sie am besten alle Sinne des Gegenübers an), beschreiben Sie Details und genießen Sie die Erinnerung daran!

Literatur:

Kumar, a., & Gilovich, T. (2015). Some “Thing” to Talk About? Differential Story Utility From Experiential and Material Purchases. Personality and Social Psychology Bulletin, 41(10), 1320–1331.

Positive Psychologie und das Stille-Experiment

von Michael Tomoff Lesezeit: 3 min
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